University of Applied Sciences

Es war ein ganz normaler Dienstag und Band-Unterricht stand auf dem Tagesplan. Es fing an wie gewöhnlich. Man begrüßte sich und besprach ein paar organisatorische Themenpunkte. Dieses mal war ein ganz besonderes Thema dabei: Die Gala!!! Herr Godau schlug vor, dass wir doch „Bohemian Rhapsody“ von Queen aufführen könnten. Anfangs war die Begeisterung darüber nicht gerade sehr groß. Wir als Studenten der FHCHP und Queen. Das ist doch offensichtlich ein riesiger Unterschied. Naja, nichts desto trotz. Wir bekamen die Aufgabe, uns jeder ein Instrument zu schnappen, das wir gerne in dem Song spielen wollen würden. Nichts ahnend nahm ich mir das Mikrofon. Ich hatte den Song ja schon oft zuhause bei meinen Eltern gesungen. Außerdem konnte ich ihn auswendig. Wir fingen an…
Es war ein einziges Chaos…

Wir sollten uns unsere Parts heraushören und einfach zur Aufnahme mitspielen.
Das Ergebnis daraus lasse ich fürs Erste unkommentiert…
Nach ein paar Proben kristallisierten sich langsam die feste Band und der Chor heraus. Franziska am Klavier, Magda am Bass, Alica am Schlagzeug, Herr Godau an der Lead-Gitarre, Peter für eine kurzen Zeitraum an der Rhythmus-Gitarre und ich am Gesang. Der Chor setzte sich aus dem Rest des Kurses zusammen.

Jetzt begann sowohl für den Chor als auch für die Band eine harte Probezeit. Auch ich bemerkte schnell, dass der Song nicht mal eben schnell mit Karaokeniveau zu bewältigen ist. In diesem Song waren Töne, die meine Stimme gefühlt auf ein Spagat vorbereiteten.
Ich äußerte des Öfteren, dass ich den Song nicht singen könne und dass wir ihn eine Halbton runter transponieren sollten. Aber das kam nicht in Frage. Das Original ist und bleibt unveränderbar. 

Jetzt kommt der Moment, wo auch Nastassja Nass, unsere Gesangslehrerin, ins Boot geholt wird. Wir üben viel und ausgiebig. Immer wenn ich mit ihr übte traf ich auch die höchsten Töne. Aber sobald ich wieder mit der Band und dem Chor probte, verlor ich gefühlt alles Gefühl für die Stimme. Seitdem ist mein mittlerweile grenzenloser Respekt für Freddy Mercury entstanden (Dazu trug auch der Film „Bohemian Rhapsody“ bei). Bis kurz vor dem Auftritt dauerte es – mit mehreren Gesangsstunden bei Nastassja von teilweise mehr als zwei Stunden  und zwar in den Trimesterferien – bis der Song Form annahm. Auch die Band und der Chor hatten mittlerweile eine riesige Entwicklung durchgemacht. Denn auch in der Band war jeder neu an dem Instrument, das er zu bewältigen hatte. Außer unser Gitarrist, Herr Godau, der mit seiner Erfahrung und mit Hilfe von Stefan Müller, alles tat, um uns dahin zu treiben wo wir dann waren.

Dann kam der große Tag – der Auftritt. Es war soweit. An diesem Abend mussten wir Queen repräsentieren. Alleine diese Aussage lässt mich noch immer ein bisschen frösteln. Ich hatte nur noch die zwei höchsten Töne im Kopf, die ich auf keinen Fall versemmeln durfte. Jetzt wurden wir auf die Bühne gerufen. Mein Kopf war so gut wie leer und ich hatte nur noch den Song im Kopf. Ich versuchte mich so stark hinein zu fühlen wie noch nie. Als der Song dann vorbei war und das Publikum unseren Jahrgang beklatschte, fiel mir der größte Stein der Welt vom Herzen, denn es war meiner Meinung nach „sehr gut“ gewesen. Ich glaube, ich kann für den ganzen Jahrgang sprechen. Für mich war es auf jeden Fall eine riesige Ehre mich für 5 Minuten als Freddy Mercury von Queen ausgeben zu dürfen. Vor allem eine Erfahrung, die ich sicher nie vergessen werde und die mich, was das Interesse am Gesang angeht, einen großen Stups weiter nach vorne gedrückt hat!

von Sebastian Oel