University of Applied Sciences

Auf der diesjährigen Hoffbauer Gala war die Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam umfassend präsent: nicht nur musikalisch (Musikpädagogik und Musikvermittlung in Sozialer Arbeit) und tänzerisch (Bewegungspädagogik und Tanz in Sozialer Arbeit) zeigten die Studierenden ihr breitgefächertes Repertoire.

 

Auch in diesem Jahr übernahmen Studierende des Studiengangs Sprache und Sprachförderung in Sozialer Arbeit der FHCHP die Moderation der Gala. Für das Publikum sichtbar spielt die Moderation subtil und humorvoll die Klaviatur der Sprache.

Insbesondere die eigenen Textbeiträge (Lyrik und Prosa) fanden großen Anklang und bewegten das Publikum sichtbar.

Taugenichts von Anna Hege

 

 

Ich bin ein bekennender Taugenichts,
denn ich tauge zu Nichts.
Du kannst mich nicht erkaufen,
und auch nicht verkaufen.
Ich fülle meinen Lebenslauf mit Lücken, damit ich noch Platz habe für all das, was noch kommt.
(Vermutlich nichts)
Ich verbringe meine Tage stets ineffizient.
Ich träume vor mich hin und von mir weg.
Von anderen Orten und manchmal von Zuhause.
Ich verrichte Dinge ohne Sinn mit viel Verstand.
Ich nutze dir nicht.
Du sagst, ich bin so zwecklos wie der Widerstand.
Trotzdem widerstehe ich.
Immer wieder stehe ich auf und genau da, wo du mich nicht gebrauchen kannst.
Du kannst mich nie gebrauchen.
Denn du findest keine Gebrauchsanleitung.
Du  sagst: Vergiss nicht, jeder Widerstand ist zwecklos,
Ich sage: Vergiss nicht, jeder Mensch ist Mensch.

Alles auf Anfang von Anna Hege

Das hier ist ein Anfang. Ein Anfang, der alles einzufangen versucht: Die Aufbruchsstimmung, die weiche Knien, und auch das kleine bisschen Schwermut, wenn der Mut erst die Schwere des Anfangs überwinden muss. Denn was ist, wenn hier uns täuschen und hier gar Neubeginn ist, sondern alles beim Alten bleibt?  Oder noch schlimmer, wenn wir es wagen, anfangen und dann scheitern? Und der Anfang schon das Ende ist? Was dann?  Ein missglückter Anfang ist nur der Anfang, der ausbleibt. Der Teufelskreis: Wenn wir uns nur ständig um selbst drehen, finden wir kein Anfang und kein Ende. Dabei liegen in dir so viele Anfänge. Satzänfange, die du nicht gewagt hast auszusprechen, erste Ideen, die du gleich wieder verworfen hast, denn es war ja bloß so eine Idee. Um Dinge anzufangen muss man verrückt sein. Man muss die Dinge verrücken, man muss sich verrücken. Manchmal reicht ein einzelner Augenblick aus, ein Blick aus anderen Augen, eine neue Perspektive: und schon ist da ein neuer Anfang. Aber dafür braucht es Mut, ja, Mut und davon viel! Fast schon Übermut! Jeder Anfang verlangt auch nach einem Ende. Das Ende kommt unweigerlich und manchmal auch zu früh. Deshalb lasst uns pünktlich anfangen: nämlich jetzt.  Keine Angst, das Leben ist etwas für Anfänger.

Kurt Löwenstein von Iman Kühn

 

Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein, Werftpfuhl, Werneuchen. Ein kleines verschlafenes Dörfchen mit einer Handvoll Einwohnern mitten im Nirgendwo. Herz des Dörfchens (wenn man das überhaupt so nennen kann?) ist die Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein. Ein großes prachtvolles Gebäude mit einer geheimnisvollen Geschichte. Hier stehe ich nun, auf der großen Einfahrt die zu dem alten Gebäude führt.

Vor mir die stark befahrene Bundesstraße, die die Zivilisation mit dem Hinterland verbindet. Links eine Bushaltestelle, an der wenn man Glück hat alle paar Stunden ein Bus hält. Gegenüber, der alte Bahnübergang. Das Andreaskreuz hat seine besten Tage hinter sich und mahnt schon lange keine Personen mehr mit seinem roten, respekt einflößenden Licht. Die Schranken stehen weit auf und zeigen gen Himmel. Kalter, frischer aber sanfter Wind weht und wirbelt meine Haare durcheinander.

Alles was die Zivilisation erahnen lässt, ist ein gelbes, ins Auge fallendes Schild. Straußberg 13km, Hirschfelde 2km. Die Straße führt mitten in den Wald. An der Bundesstraße entlang erstrecken sich die verrosteten Bahnschienen aus längst vergangenen Zeiten.

Majestätisch so kraftvoll und doch so einsam. Ich bin in Gedanken, auf einmal ein leises Kichern. Ein kleines Mädchen im rosa farbenen Spitzenkleid spielt mit seiner Puppe und hüpft vergnügt über die Bahnschienen. Alles ist so friedlich, so schön. Ihre Haare schimmern in der Sonne, so wie in goldenes Licht getaucht.

Auf einmal Ruhe. Ich höre etwas, so ein Rauschen, ich kann es nicht einordnen. Dann ein lautes Pfeifen und das Rauschen kommt immer näher. Ich habe eine Vermutung, versuche den Gedanken zu verdrängen. Ich schaue nach rechts. Eine alte Dampflok braust über die Schienen. Sie kommt näher und näher. Die Schranken beginnen sich zu senken. Mein Atem stockt. Ich denke an das Mädchen und drehe mich hektisch um. Da ist Sie, noch immer lachend in ihr Spiel versunken, mitten auf den Schienen. Der weiße Dampf versperrt mir die Sicht. Ich will rennen und schreien, aber es geht nicht. Meine Füße bewegen sich nicht, kein Ton kommt aus mir heraus. Ich bin am Verzweifeln.

Der Dampf ist weg, das Mädchen auch, „was ist passiert!“ Vorsichtig wische ich mir eine Träne weg, die gerade über meine Wange läuft. 

 

Bewegung und Tanz 

Studierende aus dem 1. Studienjahr haben eine Choreografie aus dem Breakdance-Seminar gezeigt, welche der Dozent Timo Draheim mit ihnen erarbeitet hat. Zu sehen waren vor allem schnelle Moves im Breakdance typischen Stil. Bei genauem Hinsehen konnte man wahrnehmen, dass sich die Tanzform vor allem durch viele akrobatische Elemente auszeichnet, die eine gute Kondition u. Körperbeherrschung voraussetzen. Ebenso ist Rhythmusgefühl notwendig, um tänzerisch dem Tempo und der Dynamik der Musik folgen zu können.

Studierende aus dem 2. Studienjahr (Carla Damberg, Johanna Marin, Katharina Gonska) zeigten das Tanzstück „ausRaster“, welches sie selber erarbeitet haben. In dem Stück greifen die 3 Studentinnen die Problematik der physischen und psychischen Überforderung auf u. gehen der Frage nach, welche Formen ein aus-der-Kontrolle-geraten von Menschen im alltäglichen Dasein einnehmen kann. Konkret: Wie stellt sich ein „Ausrasten“ (von Individuen) dar, wenn sie aus dem Raster fallen? Die Choreografie ist eine Prüfungsarbeit und entstand im Rahmen eines praktischen Bewegungsseminares zur Thematik der Labanschen Bewegungslehre.

Musik und Musikvermittlung

Die Musikstudierenden der FHCHP präsentierten eine kollektive multiinstrumentale Eigenkomposition, eine englische Version des jiddischen Schlagers ‚Bei mir biste scheen‘ und als Gesangssolo ‚The Life I never led‘ aus dem Musical Sisters Act.  Lea Joy Friedel zeigte damit, dass sie gerade genau am richtigen Ort ist, denn sie überzeugte sowohl stimmlich als auch mit ihrer emotionalen Präsenz.