University of Applied Sciences

Seit Beginn des neuen Studienjahres 2019/2020 hat die FHCHP zwei neue Professor*innen, Prof. Dr. Maxine Saborowski und Prof. Dr. Valentin Dander.

Wir freuen uns sehr, dass sie da sind. Eine Vielzahl der neuen Studierenden hat die Beiden bereits kennen gelernt. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, unsere neuen Professor*innen etwas näher kennen zu lernen und ihnen ein paar Fragen zu stellen.

 

Liebe Frau Saborowski, wir begrüßen Sie herzlichst an der FHCHP. Wie begann Ihre akademische Karriere? Wie sieht Ihr Werdegang aus?

Danke für die herzliche Begrüßung, die ich bisher auch von allen hier erfahren habe!

In meinem ersten Studium habe ich Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum studiert. Dabei habe ich mich im Fach Ästhetische Bildung und in vielen Workshops neben der Hochschule intensiv mit Tanz beschäftigt und habe Tanzimprovisation, besonders Kontaktimprovisation, als ein Spiel der Begegnung mit anderen und mit der Schwerkraft kennengelernt. Nach einigen Jahren der eigenen Auseinan-dersetzung habe ich dann Tanzimprovisation für Erwachsene und für Kinder unterrichtet.

Mit ästhetischen Erfahrungen, Leiblichkeit und einer „Phänomenologie der Wahrnehmung“ (Merleau-Ponty) habe ich mich auch im weiteren Studium von Philosophie und Pädagogik beschäftigt. Über mein Interesse an Phänomenologie bin ich zu Käte Meyer-Drawe in der Pädagogik in Bochum und zu Petra Gehring in der Philosophie in Darmstadt gekommen. Diese Professorinnen haben mich mit ihrem kritisch beobachtenden Kommentieren gegenwärtiger Veränderungen sehr inspiriert und ich habe auch eine Zeitlang zu gesellschaftlichen Diskussionen über Biotechnologien geforscht.

An der Alice Salomon Hochschule Berlin habe ich nach der Promotion in zwei Forschungsprojekten gearbeitet, zum Beispiel zu technischen Hilfsmitteln in der Unterstützten Kommunikation. Auch als Gastprofessorin und als Lehrbeauftragte war und bin ich dort noch aktiv. Die letzten Jahre habe ich an der Technischen Universität Berlin im Bereich Elementar-pädagogik geforscht. Jetzt freue ich mich sehr, durch die Professur an der FHCHP im Fach Bewegungspädagogik weiterarbeiten und Kooperationen in der Region fortsetzen zu können!

Was führte Sie zu uns und was hat Sie von der FHCHP überzeugt?

Das erste Mal habe ich über eine Absolventin von der FHCHP gehört. Nachdem sie an der FHCHP den Bachelor gemacht hatte, hat sie an einem Master-Seminar teilgenommen, das ich an der Alice Salomon Hochschule unterrichtet habe. Die Studierende war eine sehr aktive und mit ihren Fragen anregende Teilnehmerin des Seminars und hat mich neugierig gemacht, mir „diese kleine Hochschule in Potsdam“ mal anzusehen.

Das besondere Angebot der Studiengänge der FHCHP, in denen die Studierenden sich vertiefen können in ästhetische Praktiken für die Arbeit in sozialen Handlungsfeldern, hat mich sehr angesprochen, das ist wirklich etwas Besonderes. Damit können die Studierenden im Bereich Bewegung und Tanz zum Beispiel später Gruppen darin anleiten, wie sie über Bewegung mit sich, anderen und der Welt in Kontakt kommen und dies reflektieren können. Über die Erfahrungen des Bewegens können Menschen sich neue Spielräume eröffnen, wie sie mit Problemen umgehen könnten. Angesichts dieses Potenzials ästhetischer Bildung finde ich das Konzept der FHCHP sehr gut, den Schwerpunkt auf ästhetische Praxen in einem Studium für sozialpädagogisches Handeln zu legen.

Welche Leidenschaften treiben Sie an? Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen in Bezug auf Ihre Arbeit und Forschung?

Für mich sind Spiel und Improvisation ganz gute Zugänge zur praktischen Arbeit mit Bewegung und Tanz im Kontext von ästhetischer Bildung. Darüber kann ich jede*n zum Mitmachen und Teilhaben einladen. Auf der anderen Seite können Improvisationstechniken auch geübt und weiterentwickelt werden, zum Beispiel hier im Studium. Das ist eine Fähigkeit, die auch für andere Bereiche relevant ist, denn in einigen Theorien pädagogischen Handelns wird betont, dass pädagogisches Handeln dem Improvisieren ähnlich ist, weil es durch Bedingungen von Unvorhersehbarkeit, Komplexität und Unbestimmtheit gekennzeichnet ist: Es ist nicht vorherzusehen, wie jemand reagiert; in vielen Situationen treffen unterschiedliche Interessen und Anforderungen aufeinander, und den Sinn, den andere in einem Geschehen sehen, kann ich nie vollständig bestimmen. Dadurch wird pädagogisches Handeln aber nicht zu einem erfolglosen Bemühen, sondern dieses ständig eingegangene Risiko bzw. das vertrauende Glauben an eine Möglichkeit der gemeinsamen Verständigung hält Lernprozesse lebendig und menschlich. So ist pädagogisches berufliches Handeln etwas anderes als z.B. berufliches Handeln von Ingenieur*innen.

Mich interessieren Theorien pädagogischen Handelns nicht nur als Thema in der Ausbildung für sozialpädagogische Handlungsfelder, sondern auch als Forschungsthema. Im Forschungsprojekt, in dem ich an der TU Berlin gearbeitet habe, haben wir Gruppendiskussionen von Kita-Teams diskursanalytisch ausgewertet und dabei untersucht, wie pädagogisches Handeln beschrieben wird. In der Professionsforschung in der Elementarpädagogik ist das gerade eine wichtige Frage: Woraus besteht denn empirisch gesehen das berufliche Handeln in der Kita, wie beschreiben das die pädagogischen Fachpersonen?

Was denken Sie, welche Chancen bietet die FHCHP ihren Studierenden? Warum lohnt sich ein Studium an der FHCHP?

Die Studiengänge der FHCHP mit ihren Vertiefungen in ästhetischen Praxen für die Arbeit in sozialpädagogischen Handlungsfeldern sind für Studierende etwas Besonderes, das sie so in Deutschland nicht noch einmal finden! Mit den Abschlüssen profilieren sich die Studierenden für einen spezifischen Bereich kultureller Bildung, z.B. Bewegung und Tanz, der für die Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen genutzt werden kann. Auch das Format des Studiums ist etwas Besonderes: Durch das Duale Studium können die Studierenden über drei Jahre hinweg Erfahrungen im Berufsfeld sammeln, können die eigenen Erfahrungen und Seminarinhalte zueinander ins Verhältnis setzen und haben später Vorteile bei der Stellensuche.

Was ich noch als großen Vorteil erlebe: Durch die Größe der Seminargruppen an der FHCHP kann ich die Studierenden viel individueller betreuen als ich es von größeren Fachhochschulen oder Universitäten her kenne. Die Atmosphäre in den Seminaren ist viel persönlicher, und die einzelnen Studierenden können ihre Erfahrungen einbringen und Veranstaltungen mitgestalten. Außerdem treffe ich an der FHCHP immer wieder auf sehr leidenschaftliche Menschen, ob Studierende, Dozierende oder die weiteren Mitarbeitenden: Alle sind offen und hilfsbereit und begeistert gemeinsam bei der Sache!

Was lernen die Studierenden bei Ihnen? Was möchten Sie ihnen über die Lehrinhalte hinaus mitgeben?

Mich beschäftigt immer wieder, wie Studierende und ich in Lehrveranstaltungen lernen und Verantwortung für das Lernen übernehmen und wie dieses Lernen für das berufliche Handeln relevant ist: Theorien und Begriffe sagen nicht, wie „es ist“ oder was man tun muss, sondern sie werden wertvoll als Denkwerkzeuge, mit denen Studierende Erfahrungen und Beobachtungen aus der Arbeit im Berufsfeld aufschlüsseln können. Sie werden wertvoll und nützlich durch die Möglichkeiten, sie in gemeinsamen Diskussionen und Reflexionen einzusetzen und sich darüber zu verständigen, was man damit „meint“. Und das ist auch eine Frage der Bereitschaft, eigene Beobachtungen und Meinungen zur Diskussion zu stellen, und braucht Übung. Durch das Diskutieren und Reflektieren in Seminaren lernen Studierende, Begriffe und Theorien als Beobachtungs- und Beschreibungswerkzeuge einzusetzen, zum Beispiel, um eine nicht verantwortungsvolle Machtausübung benennen und kritisieren zu können, um zu entwerfen, wie eine Praxis auch anders möglich wäre. In dieser Art und Weise des Lernens und der Auseinandersetzung können Urteilsfähigkeit, Sicherheit und Verantwortungsbewusstsein entstehen. In diesem Sinne möchte ich die Studierenden der FHCHP gern einladen, ihr pädagogisches Handeln und das, was sie beobachten, theoretisch und kritisch zu reflektieren, und möchte ihnen dazu hilfreiche Denk-Werkzeuge und Reflexions-Praktiken mitgeben.

Hier geht es zum Interview mit Prof. Dr. Valentin Dander.