University of Applied Sciences

Seit Beginn des neuen Studienjahres 2019/2020 hat die FHCHP zwei neue Professor*innen, Prof. Dr. Maxine Saborowski und Prof. Dr. Valentin Dander.

Wir freuen uns sehr, dass sie da sind. Eine Vielzahl der neuen Studierenden hat die Beiden bereits kennen gelernt. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, unsere neuen Professor*innen etwas näher kennen zu lernen und ihnen ein paar Fragen zu stellen.

Lieber Herr Dander, wir begrüßen Sie herzlichst an der FHCHP. Wie begann Ihre akademische Karriere? Wie sieht Ihr Werdegang aus?

Vielen Dank erstmal für das herzliche Willkommen – ich fühle mich hier sehr warm empfangen und aufgenommen!

Nach meinem Studium (Diplomstudium „Pädagogik“ mit dem Studienzweig „Medienpädagogik und Kommunikationskultur“ an der Universität Innsbruck), und das heißt auch nach dem Verfassen und Verteidigen meiner Magisterarbeit 2012 (eine mediale Dispositivanalyse des Medienkunstprojekts Zone*Interdite), hatte ich zunächst überhaupt kein Interesse an weiterer akademischer Tätigkeit: endlich keine wissenschaftlichen Texte mehr schreiben! Und das, obwohl ich im Studium immer Spaß daran hatte, Texte zu lesen, zu diskutieren und damit in eigenen Texten zu arbeiten.

Nach einem Jahr ‚Zwischenspiel‘ als Assistent von Menschen mit Behinderungen im Ambulant Begleiteten Wohnen wurde an der Universität Innsbruck jedoch kurzfristig jemand gesucht, die*der zwei ausgefallene Lehraufträge übernehmen könne. Und so ergab das Eine das Andere: Mir wurde nahegelegt, eine Doktorarbeit zu schreiben; ich erhielt ein Stipendium der Universität dafür und konnte die Promotion mit einer Arbeit über Grundbegriffe der Medienpädagogik in Auseinandersetzung mit digitalen Daten/Big Data 2017 abschließen.

Seither haben mich die akademische Lehre und Forschung nicht mehr losgelassen: Über verschiedene weitere Stationen wie Köln, Flensburg und Mönchengladbach bin ich nun in Potsdam gelandet und freue mich sehr darüber, ohne Befristung in einer Hochschule arbeiten und mitgestalten zu können. Auch, wenn es gerade nicht danach aussieht: Es ist den vielen nachfolgenden Wissenschaftler*innen und Dozent*innen nur zu wünschen, dass der Befristungsproblematik sehr bald ein politisches Ende gemacht wird.

Was führte Sie zu uns und was hat Sie von der FHCHP überzeugt?

Ich denke, wer den Campus auf der Insel erlebt hat, kann dieses Argument leicht nachvollziehen: Es ist ein idyllischer Ort für Prozesse des Lernens und der Bildung. Während meines Berufungsverfahrens war bereits der Neubau des Seminargebäudes im Gange. Auch das – konkrete Räume mit neuer, funktionaler Ausstattung – begünstigt hochschulische Lehre enorm. Mit solchen Aspekten haben andere, wesentlich größere Hochschulen durchaus zu kämpfen. Das gilt auch für das gute Betreuungsverhältnis, das eine viel vertrautere, familiärere Atmosphäre schafft als es an den großen Hochschulen möglich ist.

Was aber mindestens genauso stark ins Gewicht fällt, ist die inhaltliche Ausrichtung des neuen, dualen BA-Studiengangs „Medienbildung und pädagogische Medienarbeit“, den ich hier als Studiengangsleiter mit Blick auf die medienbezogenen Module ausgestalten darf. Hier wird großer Wert auf Medienästhetik und -kultur in Theorie und Praxis sowie natürlich in möglichst enger Verschränkung der beiden Sphären gelegt. Nicht nur ist es einer der wenigen Studiengänge deutschlandweit, die ein medienpädagogisches Schwerpunktprofil aufweisen, sondern die Verknüpfung ästhetisch-gestalterischer mit sozialarbeiterischen Aspekten, die ja auch die anderen Studiengänge an der FHCHP prägt, steht hier im Fokus. Das macht einen ganz besonderen Reiz der Aufgaben aus, die hier auf mich warten!

Und natürlich, das soll nicht verschwiegen werden, greifen auch pragmatische Gründe: Ich lebe seit Jahren in Berlin und freue mich sehr, die Pendeldistanz endlich deutlich unter vier Fahrtstunden pro Fahrtrichtung gedrückt zu haben. Auch das ist sicherlich ein großes Plus für meine Familie und mich!

Welche Leidenschaften treiben Sie an? Welche Themen liegen Ihnen besonders am Herzen in Bezug auf Ihre Arbeit und Forschung?

Bereits während meines Studiums und seither habe ich mich intensiv mit den Arbeiten des französischen Theoretikers Michel Foucault beschäftigt. Ein Aspekt, der mich an seiner Vorgehensweise anhaltend sehr beeindruckt, ist, dass er einerseits zu Beginn seiner Arbeit an einem Buchprojekt nicht genau wusste, wo die Reise enden wird, sowie andererseits, dass er sich dabei auch selbst gewissermaßen aufs Spiel gesetzt hat, in Kauf genommen hat, auch eigene Ansichten, Praktiken und Forschungsarbeiten umzuwerfen. Das hat mir imponiert und ich versuche, in meiner wissenschaftlichen Praxis in Forschung und Lehre nach Möglich-keit und Kräften, Offenheit für Neues wie auch Selbstkritik zum Tragen kommen zu lassen.

Inhaltlich beschäftigt mich gerade die Schnittstelle von unterschiedlichen Prozessen der Medienbildung im Zusammenhang mit gesamtgesellschaftlichen Problemen und Krisen. An jenen Stellen, an denen individuelle Lern- und Bildungsprozesse an ihre Grenzen stoßen, nähert sich das Unterfangen ‚Medienbildung‘ dem der politischen Bildung spürbar an; sie wird politisch – noch mehr als sie es ohnehin ist. In den Protesten gegen den Artikel 13 (bzw. am Ende Art. 17) der EU-Urheberrechtsreform, bei #FridaysForFuture oder während Anti-Hass-Aktionen in Sozialen Online-Netzwerken wie auch auf den Straßen u.v.m. finden überall auch Bildungsprozesse im Sinne einer grundlegenden Transformation des eigenen Verhältnisses zur Welt, zu Anderen und zu sich selbst statt. Diese sind stets auf verschiedene Weisen medial durchdrungen, jedoch seltener dezidiert pädagogisch initiiert. Solche Prozesse interessieren mich beispielsweise in meiner Forschung. Sie verweisen darauf, dass etwas auf dem Spiel steht, dass es ‚um etwas geht‘ – am Ende vielleicht um eine gerechtere (Welt) Gesellschaft jenseits von Diskriminierung und Ausbeutung.

Wenn auch auf andere Art und Weise, so würde ich doch sagen, dass es in pädagogischen Kontexten insofern immer auch ‚um etwas geht‘, als in jeder mikroskopisch kleinen Situation stets die gesamte Gesellschaft mitschwingt und präsent ist.

Was lernen die Studierenden bei Ihnen? Was möchten Sie ihnen über die Lehrinhalte hinaus mitgeben?

Ich hoffe, dass ich den oben angesprochenen Aspekt – Zusammenhänge zwischen dem Großen und dem Kleinen sowie die unhintergehbare Politizität pädagogischen Tuns – in meiner Lehre vermitteln kann. Das ließe sich vielleicht als mein ‚(not so) hidden curriculum‘ bezeichnen. Wenn ich jedoch glaubhaft vermitteln kann, dass kreative, auch spielerische ästhetische Medienproduktion und die Anstrengung des Begriffs im Sinne von theoretischer Auseinandersetzung mit medienorientierten Phänomenen keinen Widerspruch darstellen müssen, sondern – ganz im Gegenteil – in ein sich wechselseitig befruchtendes Verhältnis treten können, dann bin ich schon überaus glücklich. Der Studiengang „Medienbildung und pädagogische Medienarbeit“ ist so konstruiert, dass beide Sphären lohnend zum Zuge kommen. Die Verflechtungen dazwischen herzustellen oder wahrnehmbar zu machen, diese Herausforderung können wir – Lehrende und Studierende – nur gemeinsam bewältigen.

Was denken Sie, welche Chancen bietet die FHCHP ihren Studierenden? Warum lohnt sich ein Studium an der FHCHP?

Viel, was für die oben angesprochenen Arbeitsbedingungen der Lehrenden hier gilt, trifft auch auf die Studierenden und ihre Studienbedingungen zu: Ort und Atmosphäre, Betreuungsverhältnisse und kleine Seminargruppen stehen für eine besondere Art des Studierens. Dazu kommt die Verbindung von ästhetischen Herangehensweisen an pädagogische und sozialarbeiterische Professionalität mit dem dualen Studium, welches Woche für Woche die Möglichkeit bietet, beide Lern- und Studienorte – Fachhochschule und Praxisstelle – wechselseitig aufeinander zu beziehen und zu befragen. Gerade auch in Bezug auf den neuen BA-Studiengang „Medienbildung und pädagogische Medienarbeit“ – da kann ich es am besten einschätzen – kann ich sagen, dass der Studiengang in dieser Form ein wichtiges Signal für Brandenburg und Berlin ist, medienpädagogische Anforderungen in verschiedenen Sozialbereichen professionell und personell ernst zu nehmen. Ich gehe stark davon aus, dass das Interesse an den Absolvent*innen in drei Jahren der Annahme Recht geben wird, dass hier ein hoher Bedarf besteht.

Hier geht es zum Interview mit Prof. Dr. Maxine Saborowski.