University of Applied Sciences

Das Genre der Vokalimprovisation verlangt den Singenden ganz schön viel Vertrauen ab: Vertrauen in jeden neuen Moment, Vertrauen in die musikalische Intuition, Vertrauen darauf, dass in uns schon genug Musik sein wird, um in jeder Lage Geräusche, Melodien und Rhythmen zur Verfügung zu haben, die angemessen zum jeweiligen Stück beitragen.
Denn Improvisationen lassen sich nicht kontrollieren, vorweg üben, in vorgefertigte ästhetische Wunschformen zwingen. Durch Sternstunden belohnt wird in diesem Genre, wer sich immer wieder neu offen und aufmerksam zur Verfügung stellt und in absichtsloser Bereitschaft von Moment zu Moment wandert.

Ein solches Herangehen ans Musizieren war den Studierenden neu und anfangs auch ganz schön unheimlich. Verständlicherweise sollte doch am liebsten berechenbar hübsche, runde, formvollendete Musik entstehen – eben ein bisschen so, wie man sie aus Liedern kennt.

Entsprechend war ich begeistert darüber, wie sich die Studierenden während unserer Tage mutvoll ins Loslassen von Vorgefertigtem und Bekanntem, ins „ehrliche“ Erforschen jeden Moments – kurz: in die Grundeinstellung „no risk no fun“ haben hineinführen lassen.
Wir haben Bewegungen aus Tanzsequenzen in Stimmausdruck übersetzt, Situations- beschreibungen und Postkartenbilder in Stimmenmusik umgewandelt, in Fantasiesprachen kommuniziert, mit Geräuschen für Vocal Percussion experimentiert, an verschiedenen strukturierten Kleinensemble-Formaten wichtige musikalische Rollen (wie Solo, Begleitung, gleichberechtigte Kommunikation, u.a.) erforscht und uns dem choralen Improformat der Circle Songs gewidmet.
Besonders bezaubert hat mich, dass den Studierenden auch während der Abschlusspräsentation, also in einer Bühnensituation vor Publikum, direkt gelungen ist, der Einstellung „ich weiß nichts, ich folge rein einem intuitiven Impuls“ treu zu bleiben. So konnte sich auch dort ein improvisatorisches Sternstündchen entfalten.

Johanna Seiler, Workshopleiterin

 

Interview zur Projektwoche „Vokalimprovisation – Circle Songs“ mit Lisa, Studentin Musikpädagogik

Hallo Lisa, bitte stelle dich mal kurz vor.

Ich heiße Lisa, bin 23 Jahre und studiere im 3. Jahr Musikpädagogik. Neben dem Studium arbeite ich mit Kindern und Jugendlichen in der stationären Hilfe. Hobbymäßig bin ich als Sängerin mit meiner Coverband unterwegs. Ansonsten spiele ich gern Gitarre, Akkordeon und übe mich am Klavierspielen.

Wie bist du auf den Studiengang „Musikpädagogik“ an der FH Clara Hoffbauer Potsdam gekommen?

2017 habe ich meine Erzieherausbildung erfolgreich abgeschlossen und war auf der Suche nach einem Anschlussstudium, welches meine beiden Interessen, Musik und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, verbindet. Über das Internet bin ich auf die FHCHP-Website gestoßen und fand alles ansprechend, sodass ich mich sofort beworben habe und anschließend zum Vorstellungstag eingeladen wurde.

Warum hast du dir den Workshop „Vokalimprovisation – Circle Songs“ ausgesucht?

Für mich sind Improvisationen noch fremd gewesen, da ich mit so was nie wirklich in Berührung kam. Ich singe sehr gern, würde auch gern selbst Songs schreiben, doch fehlen mir oftmals die vollendenden Ideen. Den Workshop sah ich als Chance, neue Herangehensweisen und Möglichkeiten ans Singen zu erlernen und auszuprobieren.

Was hat dir dabei besonders gefallen?

Mir hat es gefallen, dass jeder Einzelne seine Ideen miteinbringen und umsetzen konnte. Es gab viele Methoden und jede Aufgabe stellte für den ein oder anderen eine Herausforderung dar. Plötzlich allein zu singen und gehört zu werden, egal ob gerade oder schiefe Töne, war ein komisches Gefühl. Doch schlussendlich kreierten wir so viele verschiedene improvisierte wunderschöne Klänge im Gesamtklang, dass Ängste genommen wurden. Das Wichtigste am Singen ist der Spaß, der in der Gruppe viel vorhanden war. Johanna, unsere Vokalcoachin, hat uns viel zum Lachen gebracht und ihre Methoden mit Witz, Charme und dennoch Ernsthaftigkeit vermittelt. Ich denke ich kann die verschiedenen Techniken auch mit meinen Jugendlichen auf Arbeit ausprobieren und viel Spaß am Improsingen erwecken.

Hier können Sie Filmaufnahmen der Projektwoche anschauen.