University of Applied Sciences

Am 23.2.2019 fand im Jugendkunst- und Begegnungszentrum (JuKuZ ) Gérard Philipe in Berlin zum 1. Mal eine Lebendige Bibliothek statt. Das ist ein Veranstaltungsformat, in welchem Menschen zu bestimmten, brisanten Themen, die sie persönlich betreffen (Gender, Migration) einem Interessentenkreis innerhalb eines geschützten Veranstaltungsrahmens berichten. Es treten Interessierte mit Menschen in Kontakt, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihres sozialen oder ethnischen Hintergrundes von Diskriminierung und Stigmatisierung betroffen sind. Das Projekt eröffnet damit einen Begegnungsort, welcher in erster Linie Vorurteile, Klischees und Berührungsängste abbauen soll. Die Veranstaltung ist für Kinder wie für Erwachsene konzipiert.
Nachgefragt zu diesem Projekt habe ich bei Luisa Brune, die es in ihre Praxiseinrichtung eingebracht und betreut hat. Sie ist auf dieses Format durch ihr eigenes Interesse an politischer Bildung aufmerksam geworden und es ist ihr eine Herzensangelegenheit.

Zu der Veranstaltung der Lebendigen Bibliothek waren sehr interessante Gäste geladen. Die Gäste wurden als „lebendige“ Bücher präsentiert, die sich ihren Buchtitel selbst gegeben haben. (Über die Projektleitung wurden einzelne Personen für dieses Projekt angefragt und im Anschluss eine Auswahl getroffen, um ein breites Spektrum abzudecken und somit größtmögliche Aufklärungsarbeit zu leisten.) Folgende Buchtitel waren vertreten:

Grundstein für den Aufbau dieser Veranstaltung waren vor allem Vorurteile gegenüber bestimmten Menschengruppen. Der Schwerpunkt der Kinder- und Jugendeinrichtung liegt in der kulturellen Bildung (Jugendkultur) und der Partizipation (Mitbestimmung) für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Durch bspw. homophobe Äußerungen der Kinder oder negative Kommentare über Obdachlose, wurde das Team aufmerksam und hat mit diesem Projekt reagiert. Ziel war es, die Kinder für bestimmte Themen und Menschen zu sensibilisieren und aufzuklären. Die Kinder und Jugendlichen wurden vertraut gemacht mit Fachbegriffen, wie z.B. „transsexuell“ und haben medizinische Informationen zum Thema HIV erhalten. Wer kann das besser erklären, als diejenigen, die es betrifft?

Zu der „Ausstellung“ kamen ca. 40 Personen, davon ungefähr 10 Erwachsene. Die anderen Teilnehmer*innen bestanden aus der Hauptzielgruppe Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7-16 Jahren.
Die Erwachsenen konnten sofort in das Gespräch gehen mit den „Bücher-Gästen“. Für die KiJu setzten sich die Teammitglieder zunächst in Gruppen zusammen und entwickelten Fragen, die die Teilnehmer*innen interessierten. Im Anschluss an die hoch konzentrierte Brainstorming-Phase ging es dann in die Gespräche. Pro Person wurde eine Interviewzeit von ca. 20 Min. angesetzt, in der drei bis vier Kinder ihrem Gegenüber Fragen stellen konnten. Das Team des Begegnungszentrums hat bei der Einteilung der Gruppen darauf geachtet, dass sich Personen einer Peergroup zusammenfinden, um Sicherheit zu schaffen und Berührungsängste untereinander zu minimieren.
Es bestand zuerst große Verunsicherung gegenüber den homosexuellen Personen, die sich zu den Gesprächen bereit erklärt haben. Jedoch konnten, dank des Projektes, die Grenzen im Kopf überwunden werden. Das Ziel, die KiJu für die Situationen der Menschen zu sensibilisieren und Strategien zu entwickeln, wie man helfen oder unterstützen kann, ist gelungen und somit war das Projekt für alle Beteiligten eine Bereicherung.

Wichtigstes Fazit der KiJu des Tages: Jeder Mensch hat das Recht so zu sein, wie er möchte!
Letztlich nimmt die Aufklärung zu den unterschiedlichsten Themen die Angst vor dem Unbekannten. Wenn wir alle etwas offener mit unseren Mitmenschen umgehen (lernen – sind wir nicht zu streng, manche Dinge befinden sich im Prozess), könnte die Welt um einiges einfacher sein!

Es ist ein großartiges Projekt, was Grenzen abbaut. Ein weiteres Zusammentreffen mit anderen „Büchern“ ist in jedem Fall angedacht und das Team freut sich dann erneut auf regen Zuspruch. Die Teilnahme ist kostenlos.

Jana Raatz