University of Applied Sciences

 

geschrieben, gesprochen und gestaltet von Dana

Der Friederich

Der Friederich, der Friederich, der war ein arger Wüterich und obendrein, falls ihr’s nicht wisst, auch noch ein übler Populist. Die Immigranten schlug er blau, egal ob Kind, ob Mann, ob Frau. Schlägt auch aufs arme Gretchen ein und nennt sie „Kommunistenschwein“. Das Gretchen weinte bittre Tränen und sprach: „Ach, könnte Vater dich jetzt sehen, so würd‘ er sich im Grab umdrehen. War er doch guter Humanist und du, Hund, nur ein grausamer Faschist!“ Er hält inne mit den Hieben und lässt sie dort am Boden liegen. Er dreht sich langsam nun zur Seite und nimmt vom Nagel sich die Peitsche. Vor Wut verzieht er seinen Mund und schaut auf Gretchens alten Hund. „Karl Marx“, so hat sie ihn genannt, das macht den Friedrich wutentbrannt. Nun schlägt er auf den alten ein und dieser denkt sich: „Lass das sein! Ich beiß dir in das rechte Bein!“
Ins Bett muss Friedrich nun hinein, die Wunde bandagieren. So konnt er nicht fürs deutsche Reich nach Stalingrad marschieren. So musste er im Krieg nicht sterben und konnt‘ das Haus der Eltern erben. Das Gretchen hat’s ihm auch vergeben, so konnten sie zusammen leben. Und Karl Marx, der alte Hund, kriegt Leberwurst und Wein zum Trunk.

von Janosch

 

geschrieben, gesprochen und gestaltet von Anna-Lena

Du bist BMX gefahren damals

Hast Graffiti Shirts getragen und wenn wir in deinem Audi geraucht haben, habe ich dich heimlich angeschaut

Und die Tattoos auf dem Arm, der aus dem halb geöffneten Fenster hing.

 

Ich fand das mutig.

Du trägst Papas Todestag unter der Haut und Farben, die beinahe jeden Zentimeter deiner Arme zieren.

Die gleichen Arme, in denen du mich nachts hältst.

 

Wenn man mit der Zeigefingerspitze daran entlang fährt, merkt man nur warme weiche Haut

Und wie du unter meiner Berührung schauderst,

Als wären die Farben gar nicht da.

 

Mittlerweile habe ich selbst eins.

Ich habe es gesehen und an dich gedacht und an ihre Stimme

Und die Momente, die ich immer gern in Marmeladengläser

stecken würde, damit mein Kopf nicht so voll von ihnen ist.

 

Und dann habe ich es einfach gemacht.

 

von Leonie

 

„Nur eine Sekunde“ geschrieben, gesprochen und gestaltet von Ina, 5. Trimester

Schubkarre

Sommerferien hieß Freiheit.

Endlich keine doofen Hausaufgaben mehr machen müssen. Das Wort Schule durfte frühestens wieder in fünf Wochen fallen.

Für den ersten Ferientag hatte ich mich gleich mit Sophia verabredet. Sie war meine beste Freundin und wir sahen uns fast jeden Tag. Für den Fall, dass wir uns mal nicht sehen konnten, schrieben wir uns Briefe. Mit dem Schreibschriftfüller. Auf Diddl-Papier. Diesen gaben wir der Anderen entweder mit oder wir kamen bei ihr vorbei. Es waren anderthalb Straßen, die uns voneinander trennten.

An diesem Tag hatten wir uns bei mir verabredet. Ich hatte zwei Zwergkaninchen. Flecki und Flöckchen. Geschwister. Wenn Sophia bei mir war, war sie immer ganz heiß darauf, etwas mit den Kaninchen zu machen. Sie durfte nämlich keine Haustiere. Sie mochte es sogar, den Stall auszumisten. Und selbst das war nur halb so schlimm, zusammen mit ihr.

Heute hatte sie die Idee, anstatt die Kaninchen auf den Arm zu nehmen, um sie ins Außengehege zu bringen, sie einfach mit einer Schubkarre rüber zu bringen.

Es machte riesigen Spaß, die zwei Häschen damit durch den Garten zu fahren. Also gingen wir bald schon auf Entdeckungstour durch die ganze Nachbarschaft. Bis zu Sophia.

Flecki und Flöckchen waren gespannt auf die Welt außerhalb ihres Stalls. Sie reckten ihre Köpfchen, um über den Rand der Schubkarre zu gucken.

Und dann sprang Flöckchen heraus.

von Gemma

Mein Herd-Ofen

Mein erster eigener Herd hat einen integrierten Ofen. Es hat wirklich lang gedauert, bis ich ihn endlich in meiner eigenen Wohnung hatte. Das war ein Stress, aber nun kann ich entspannen, denn er ist ja da.
Am Anfang war es eine große Umstellung, weil mein Herd ein Gasherd ist und auch der Ofen läuft mit Gas. Der erste Käsekuchenboden, total verbrannt, trotzdem lecker keksig und einer der besten, die ich je gemacht habe.
Mein Herd ist weiß und kalt, er hat da diese Klappe, die mir manchmal zusätzliche Arbeitsfläche in meiner kleinen, verwinkelten Wohnung beschert. Ich koche gern auf ihm. Alles ist superschnell gar und auch die Fleischgerichte werden erstmals perfekt. Von blutig bis medium, alles drin.
Eine harte Arbeit ist es ihn sauber zu halten. Oft spritzt Öl umher und Gemüse fällt aus der Pfanne zwischen die Gitter.
Aber all dies ist mein Ofen-Herd wert.

Erst letzten Freitag konnte ich ihn meinen neuen Freunden zeigen. Ich kochte Maccheroni mit Käse. Meine Spezialität.
Es hat allen gut geschmeckt, wie perfekt und ich war stolz.
Mein Herd-Ofen steht in meinem kleinen Zuhause. Er ist mein Kleinod.
Jeden Abend empfängt er mich mit warmen Gedanken und erinnert mich an nette Abende mit meinen Leuten, an Filmabende mit Glühwein und Pomm´Fritz.
Ich koche gern und noch viel lieber mit meinem Herd.
Ich liebe es zu backen und auch das mittlerweile gern und gut mit meinem Ofen, unter meinem Herd.

von Anna-Lena

Mamas Ohrläppchen

Jeden Abend brachte sie mich ins Bett. Meine Mama! Meistens blieb sie auch sehr lange bei mir und erzählte mir eine Geschichte oder las mir etwas vor. Das Schönste war allerdings, wenn sie einfach nur neben mir lag und ich ihre Anwesenheit spüren konnte. Es reichte mir aus allein ihren Atem zu hören. Mit ihren fast zu kühlen Händen strich sie mir immer über die Arme oder den Rücken, um mich zu beruhigen. Das gelang auch immer und gab mir stets das größte Gefühl an Geborgenheit.

Da sie bis heute dazu neigt schnell zu frieren, griff ich im Halbschlaf oft nach ihren Ohren. Die Ohrläppchen fühlten sich ganz kalt an und dennoch sehr weich. Um meine Mutter zu wärmen, rieb ich also ihr Ohrläppchen zwischen meinem Daumen und meinem Zeigefinger. Sobald das rechte Ohr gewärmt war, wechselte ich zum anderen. Dieses wollte ja schließlich auch gewärmt werden. Diesen wechselnden Rhythmus verfolgte ich den ganzen Abend entlang, in der Zeit, in der ich eigentlich schlafen sollte. Meine Mutter war dabei sehr geduldig mit mir. Anstatt mir ihr Ohr hinzuhalten, warteten diverse Aufgaben auf sie. Meine eine Schwester war mitten in der Pubertät, meine andere Schwester in Gedanken an die anstehenden Abiturprüfungen. Meine Mutter aber blieb geduldig mit mir.

Wie viel Zeit sie uns drei Töchtern an jedem Abend gegeben hat, kann ich mir kaum vorstellen. Durch diese selbstlosen Handlungen und zahlreiche weitere Kleinigkeiten, kam sie selbst wohl oft zu kurz. Noch heute kämpft sie wie eine Löwenmama für uns alle. Für jedes noch so unterschiedliche Kind von uns hat sie individuelle Ratschläge und verteidigt uns zu jeder Zeit.

Ihr unglaublich ruhiges Gemüt und geduldiges Wesen bringen mich bis heute zum Erstaunen und waren sicher auch der Grund, dass ich neben ihr gut einschlief.

von Amira

geschrieben und gesprochen von Veronia,

2. Trimester

„Mauersegler“ – entstanden im Seminar „Slam Poetry – Poetry Slam“,

geschrieben und gesprochen von Michaela Klebe.