University of Applied Sciences

Forschungsprojekte

Forschungsprojekte Prof. Dr. Sandra Niebuhr-Siebert


„Lesekompetenz bei Kindern mit Migrationshintergrund in der Grundschule“

Entwicklung eines wortschatzbasierten Lesestrategietrainings
(Kooperationsprojekt mit Prof. Dr. Frank Hellmich, Universität Paderborn Forschungspreis der Universität Paderborn 2010 für Nachwuchswissenschaftler)

Projektmittel: 22.000,00 Euro

Mehr erfahren
Rund zwei Drittel aller Kinder, die mehrsprachig aufwachsen verfügen am Ende des vierten Schuljahres nicht über elementare Lesefähigkeiten und -fertigkeiten, die ihnen einen sicheren und eigenständigen Umgang mit Texten ermöglichen. Als besonders problematisch wird dabei erachtet, dass nur rund ein Viertel der bei IGLU 2006 befragten Kinder mit Migrationshintergrund über solide Lesefertigkeiten verfügen, d.h. Wörter und Sätze in Erzähl- oder Sachtexten dekodieren und explizit angegebene Einzelinformationen in Texten identifizieren können. Nur knapp die Hälfte aller Kinder ist in der Lage, relevante Einzelheiten und Informationen im Text aufzufinden und miteinander in Beziehung zu setzen. Mittlerweile wurden verschiedene Programme zur Förderung von Lesekompetenzen im Zuge der breit angelegten Diskussion in der Bildungsforschung entwickelt und auch in Hinblick auf Möglichkeiten und Grenzen des Lesekompetenzerwerbs empirisch geprüft. Bislang fehlen aber speziell auf die Bedürfnisse von Kindern mit Migrationshintergrund, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, ausgerichtete Inventare zur Förderung schriftsprachlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten im Allgemeinen und zur Entwicklung von Lesefähigkeiten im Speziellen. Als probate Mittel zur Verbesserung von Lesekompetenzen wird dabei insbesondere die Verfügbarkeit und Anwendung von Lesestrategien erachtet. Vorhandene Lesestrategietrainings beziehen allerdings nur in unzureichender Weise die spezifischen Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund ein. In der Regel wird bei solchen Fördereinheiten zur Vermittlung von Lesestrategien bei Kindern im Grundschulalter auf den Umgang mit hierarchiehöheren Leseprozessen wie beispielsweise die Erfassung globaler Zusammenhänge (Analyse und Verarbeitung größerer Textteile, wobei Propositionssequenzen übergreifend verknüpft und immer weiter verdichtet werden müssen) fokussiert. Im Gegensatz hierzu ist es erforderlich, Fördermaßnahmen in Form von Lesestrategietrainings für Kinder mit Migrationshintergrund bereitzustellen, die zunächst hierarchieniedrige Leseprozesse betreffen. Unter hierarchieniedrigen Leseprozessen versteht man dabei im Wesentlichen das Dekodieren von Buchstaben und Wörtern, das simultane Erfassen von bekannten Wörtern sowie – unter semantischem Gesichtspunkt – das Ableiten der sprachlichen Bedeutung von Wörtern. Fähigkeiten der hierarchieniedrigen Ebene stellen dabei wichtige Voraussetzungen für das Erreichen hierarchie-höherer Leseprozesse dar. An dieser Stelle setzt das von uns entwickelte wortschatzbasierte Lesestrategietraining an: Im Rahmen einer Trainingseinheit wird – im Sinne der Entwicklung hierarchieniedriger Leseprozesse – zum einen ein weitgehend grundständiges textbasiertes Wortschatztraining durchgeführt, zum anderen werden den Kindern verschränkt hierzu – im Sinne hierarchiehöherer Leseprozesse – Angebote zum Erwerb von Lesestrategien offeriert. Im Rahmen einer quasi-experimentellen Untersuchung wurde die von uns konzipierte Lerneinheit zur Förderung wortschatzbasierter Lesestrategien in Hinblick auf ihre Effektivität überprüft. Dabei wurde angenommen, dass sich Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, die an einem Training zur Förderung von wortschatzbasierten Lesestrategien teilgenommen haben, am Ende der Fördereinheit (und darüber hinaus) über signifikant bessere Lesekompetenzen und einen effizienteren Lesestrategieeinsatz verfügen als Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, die nicht an einem solchen Training beteiligt gewesen sind. Weiter wurden Transfereffekte in Hinblick auf die Effektivität des Trainings vermutet. So wurde angenommen, dass Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, die an dem Training teilgenommen haben, auch über bessere Kompetenzen bei der Bearbeitung mathematischer Sachaufgaben verfügen als Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, die keine Förderung erhalten haben.

An der Untersuchung sind insgesamt N=232 Schülerinnen und Schüler (davon: 151 Kinder mit Migra-tionshintergrund, die Deutsch als Zweitsprache erwerben) aus dem dritten Schuljahr beteiligt gewesen. Die Hälfte der Schülerinnen und Schüler nahm über drei Wochen (insgesamt zwölf Lerneinheiten) im Rahmen des Deutschunterrichts an dem von uns entwickelten wortschatzbasierten Lesestrategietraining teil; die andere Hälfte der Kinder erhielt in dieser Zeit herkömmlichen Deutschunterricht (ohne explizite Förderung von Lesestrategien und Wortschatz). Die Untersuchungsgruppen wurden anhand verschiedener Variablen (Alter, Geschlecht, Deutsch als Erst- bzw. Zweitsprache, kognitive Grundfähigkeiten) parallelisiert.

Zur Überprüfung der oben dargestellten Hypothesen wurden sowohl standardisierte als auch selbst entwickelte Testinstrumente eingesetzt. Um Lesekompetenzen und wortschatzbasierte Lesestrategien zu erfassen, wurden prä- und postexperimentell der Lesetest ELFE 1-6 (vgl. Schneider & Lenhard, 2006) sowie ein in Anlehnung an IGLU selbst konzipierter Test zur Erhebung der Lesekompetenzen von Kindern eingesetzt. Zusätzlich wurden Aufgaben zur Erfassung wortschatzbasierter Lesestrategien gestellt, die in Anlehnung an das von uns entwickelte Training konzipiert sind. Um Transfereffekte der Lerneinheit zu prüfen, wurden mathematische Sachaufgaben aus dem Deutschen Mathematiktest für dritte Klassen (DEMAT 3+) ausgewählt.

Die Ergebnisse aus unserer Untersuchung verdeutlichen, dass die an dem Training beteiligten Kinder am Ende der Lerneinheit – und ca. ein Vierteljahr später – über signifikant bessere Lesefähigkeiten verfügen, wortschatzbasierte Lesestrategien signifikant effizienter einsetzen und auch Aufgaben zur Erfassung der   Lesekompetenz qualitativ hochwertiger bearbeiten als Schülerinnen und Schüler, die nicht an dem Training teilgenommen haben. Diese Effekte sind bei denjenigen Kindern, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, signifikant ausgeprägter als bei den Kindern ohne Migrationshintergrund. Transfereffekte des wortschatz-basierten Lesestrategietrainings in Hinblick auf die Bearbeitungsqualität mathematischer Sachaufgaben konnten hingegen nicht nachgewiesen werden.

 

Literatur

Roick, T., Gölitz, D. & Hasselhorn, M. (2004). DEMAT 3+. Deutscher Mathematiktest für dritte Klassen. Göttingen: Beltz.

Schneider, W. & Lenhard, W. (2006). ELFE 1-6. Ein Leseverständnistest für Erst- bis Sechstklässler. Göttingen: Hogrefe.

Valtin, R., Bos, W., Hornberg, S. & Schwippert, K. (2007). Zusammenschau und Schlussfolgerungen. In W. Bos, S. Hornberg, K.-H. Arnold, G. Faust, L. Fried, E.-M. Lankes, K. Schwippert & R. Valtin (Hrsg.), IGLU 2006. Lesekompetenzen von Grundschulkindern in Deutschland im internationalen Vergleich (S. 329-348). Münster: Waxmann.

 

Verleihung des Forschungspreises 2010 der Universität Paderborn für Nachwuchswissenschaftler (zusammen mit Prof. Dr. Frank Hellmich)

„Hörspiele zur Sprachförderung von Kindern mit Migrationshintergrund im Vorschulalter“

(Kooperationsprojekt: Dr. Sandra Niebuhr-Siebert, Hoffbauer Berufsakademie, Potsdam & Prof. Dr. Ute Ritterfeld, Universität Dortmund)

Mehr erfahren
In Kooperation mit Prof. Dr. Ute Ritterfeld von der TU Dortmund und der Folkwang Universität ist ein Hörspiel zur Sprachförderung entstanden: Die Wetterschacht-Detektive. Das Projekt wurde von der Dortmund-Stiftung gefördert. Mit dem Hörspiel, das sich an ein- und mehrsprachig aufwachsende GrundschülerInnen der dritten und vierten Klassen sowie SchülerInnen im Übergang zur Sekundarstufe I richtet, wird eine bislang einzigartige Verbindung wissenschaftlicher und künstlerischer Ansprüche erfüllt. Auf der Grundlage mehrerer selbst durchgeführter empirischer Studien zum Sprachförderpotentzial von Hörspielen wurden sechs Episoden einer Hörspielserie produziert, die sich insbesondere zur Förderung der konzeptionellen Schriftlichkeit eignen. Gleichzeitig sind die Episoden so unterhaltsam gestaltet, dass sich ihr Sprachförderpotentzial beiläufig entfalten kann.

 

Nach der Entwicklung der unterhaltsamen Geschichte wurde der Hörspieltext mit linguistischen Parametern angereichert, um damit die sprachlichen Fähigkeiten von Grundschulkindern fördern zu können. Kinder im Grundschulalter müssen sich insbesondere konzeptionell-schriftliche Register aneignen, die das Verständnis und den Umgang mit Schul-, Bildungs- bzw. Fachsprache sichern. So wurde der sprachliche Input im Kontinuum zwischen konzeptionell-mündlicher und konzeptionell-schriftlicher Sprache in Bezug auf die drei linguistischen Dimensionen: „semantisch-lexikalisch“, „syntaktisch“ und „diskursiv“ aufgespannt. Dabei variiert der Grad der Abstraktheit und (De-)Kontextualisierung bewusst, um eine möglichst große Spannweite unterschiedlicher Register anbieten zu können. Auf diese Weise kann sichergestellt werden, dass das Hörspiel weitgehend unabhängig von der Sprachkompetenz der Kinder rezipiert werden kann. Denn auch denjenigen Kindern, die nur über geringe Erfahrung mit schriftsprachlichen Mustern verfügen, bietet das Hörspiel über sein eher konzeptionell-mündliches Angebot genügend sprachliche Anregung, dass sie der Geschichte folgen und das Hörspiel attraktiv finden können. Gleichzeitig wird auf diese Weise sichergestellt, dass ein Zuwachs an Sprachkompetenz – je nach Ausgangskompetenz – überhaupt erst möglich wird.

Der Anspruch an die Konzeption der „Wetterschacht-Detektive“ war zudem, dass das Hörspiel die RezipientInnen langfristig zum Hören motiviert. Bei der Konstruktion wurden deshalb medienpsychologische Überlegungen einbezogen, die dazu beitragen sollen, dass die jungen HörerInnen in den Charakteren para-soziale Beziehungsangebote finden und annehmen. Über diese Unterhaltungselemente sollte eine aufmerksame Medienrezeption ausgelöst werden, durch die der sprachliche Input seine Wirksamkeit entfalten solltet. Voraussetzung dieses Wirkmodells ist das selbstgewählte Hören. Das Hörspiel soll nicht als Übungsprogramm verordnet, sondern als selbstgewählte Freizeitaktivität empfunden werden. Ob wir diesen Anspruch erfüllen können, wird derzeit in einer Reihe von Evaluationsstudien überprüft.

Projektleitung: Prof. Dr. U. Ritterfeld
Produktion: K. Kauker & R. Hengel
Regie: R. Hengel
Aufnahmeleitung: K. Kauker
Aufnahmeleitung spanischer Texte: Dr. M. T. Soto-Sanfiel
Drehbuch: A.-L. Dürkoop, L. Glowka, R. Hengel, T. Lüke, Prof. Dr. U. Ritterfeld, A. Wirxel
Musik: Ö. I. Dogru & K. Kauker
Titelmusik: K. Kauker
Türkische Übersetzung: Ö. I. Dogru
Überarbeitung türkischer Texte: B. Eren, S. Karaoguz, S. Kocabas, Ö. Önder, E. Mittmann-Önder, D. Yelegen
Linguistische Überarbeitung: Dr. S. Niebuhr-Siebert und Studierende der Hoffbauer Berufsakademie Potsdam
Casting: A.-L. Dürkoop, L. Glowka, R. Hengel, K. Kauker, T. Lüke, A. Wirxel

 

Evaluation des Sprachlernansatzes Yaylas Wiese – Gemeinsames Aktivlernen in Willkommensklassen

Mehr erfahren

Laufzeit: seit April 2016

Projektleitung: Prof. Dr. Sandra Niebuhr-Siebert, Fachhochschule Clara Hoffbauer

Der Sprachlernansatz Yaylas Wiese- Gemeinsames Aktivlernen wurde von Anne Peters als Grundschullehrerin und Lerncoach in langjähriger Praxis entwickelt und hat sich als Graswurzelbewegung in der Praxis durchgesetzt. Er gilt als erfolgsversprechender (Sprach-)lernansatz. Yaylas Wiese ist ein didaktischer Ansatz zur sprachlichen Integration heterogener Lerngruppen, welcher gemeinsames Lernen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ermöglicht. Der Ansatz bezieht die Muttersprachen der Lernenden aktiv in den Sprachlernprozess ein und folgt dabei wissenschaftlich anerkannten Aspekten der Beziehungspädagogik. Hierbei geht es um eine positive und vertrauensvolle Beziehungsgestaltung während der Lehr-Lern-Situation, die insbesondere zur Selbstbestimmung, Selbsterfahrung und Selbsttätigkeit beitragen soll.

Ein weiteres Prinzip umfasst den Aspekt Lernen durch Lehren. Mittels fünf verschiedener Lernstufen werden Lernende in die Verantwortung versetzt, dasjenige, was sie selbst verstanden haben, anderen Lernenden beizubringen. Dieser Lernprozess wird durch die Muttersprachen der Lernenden sehr unterstützt. Anders als beim Ansatz zur Binnendifferenzierung, wo individuelle Lernbedürfnisse durch die Lehrkraft mittels unterschiedlicher Lernniveaus bedient werden, setzt dieser Ansatz auf das Prinzip des gemeinsamen Lernens und schafft damit eine gemeinschaftlich-solidarische Lernkultur. Lernende sollen auf diese Weise nicht nur lernen für ihr eigenes Lernverhalten Verantwortung zu übernehmen, sondern auch für dasjenige ihrer Mitlernenden.

Sprachdidaktisch folgt dieser Ansatz dem Focus-on-Form-Ansatz.

Zudem sollen die gerade entstehenden Webseiten www.malernen.de als kostenfreies Anschauungsmittel für Gemeinsames Aktivlernen und „Deutsch für Einsteiger“ sowie www.maspielen.de als kostenfreie Möglichkeit, sprachliches Können anzuwenden und Lernspiele selbst zu programmieren vorgestellt werden.

Der Ansatz wird derzeit in Willkommensklassen und in einer Sonntagsakademie im Raum Berlin durchgeführt.

Zur Evaluation des Lernklimas und der pädagogischen Beziehung werden Videosequenzen in Lernsituationen einer Berliner Willkommensklasse u.a. nach dem CLASS-Rating ausgewertet. Mittels normierter Sprachtests wird die Sprachkompetenz kontrolliert.

Forschungsprojekte Prof. Dr. Christiane Gerischer


„Transferwirkungen musikalisch-ästhetischer Erfahrung in der Jugendarbeit“

Mehr erfahren

Abstract:

Kulturelle Bildung unterstützt notwendige Entwicklungsaufgaben bei Kindern und Jugendlichen. So die Überzeugung von Kultusministerien bis hin zum wissenschaftlichen Online Forum Kulturelle Bildung. Die Studiengänge der FHCHP zielen darauf ab, kulturelle Bildung in Form von ästhetischen Praxen wie Sprache, Bewegung oder Musik in sozialen Arbeitsfeldern zu implementieren.

Empirische Befunde für die Wirksamkeit ästhetischer Erfahrungen für Bildungsbiografien sind bislang rar, die vorhandenen unterstützen jedoch die Bedeutung kultureller Bildung für die soziale, emotionale und kognitive Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Unabhängig davon haben Kinder und Jugendliche gemäß der Leitsätze der FHCHP ein Recht auf kulturelle und musikalische Bildung. Es sind die besonderen Dimensionen ästhetischer Wahrnehmung und deren Erkenntnismöglichkeiten im Unterschied zu alltäglichem Handeln und Wahrnehmen, die bei Kindern und Jugendlichen biografisch bedeutsame Transferwirkungen auslösen können.

In diesem Forschungsprojekt soll mittels eines Experimentes ästhetische Erfahrung in der Wahrnehmung von Jugendlichen in offenen Jugendeinrichtungen untersucht werden. In welcher Weise nehmen Jugendliche ästhetische Praxis wahr, empfinden sie einen Unterschied zu ihrer Alltagswahrnehmung, verändern ästhetische Praxen möglicherweise die Selbstwahrnehmung und eröffnen neue Perspektiven? In mehreren Jugendeinrichtungen, in denen auch dual Studierende arbeiten, werden mehrere Drum Circle durchgeführt und videografiert. Im Anschluss sollen sie mittels Einzel- und Gruppeninterviews qualitativ und nach der Methode der Grounded Theory evaluiert werden.

 

„Music Education in social contexts – a study program“

Mehr erfahren

Abstract:

Im April 2017 wurde in der wissenschaftlichen Zeitschrift :’Educaçåo e Contemporanidade’ (Bildung und Zeitfragen) der staatlichen Universität von Bahia / Brasilien ein Artikel von Christiane Gerischer zum Thema musikalische Bildung in sozialen Feldern veröffentlicht. Darin wird u.a. der Bachelorstudiengang Musikpädagogik und Musikvermittlung in Sozialer Arbeit dargestellt und wissenschaftlich begründet. Die folgenden links führen Sie direkt zum Artikel, und einer PDF Fassung.

https://www.revistas.uneb.br/index.php/faeeba/article/view/3582

https://www.revistas.uneb.br/index.php/faeeba/article/view/3582/2295

Music Education in social contexts – a study program

Christiane Gerischer (FHCHP )∗

ABSTRACT This article outlines the foundational considerations of the academic qualification ‘Music Pedagogy in Social Work’ conceptualized and realized in Potsdam, Germany. Based on knowledge about possible benefits of cultural and musical education for the aims of social work, namely the empowerment of individuals, social participation and inclusion, the author specifies the needs and competences for professionalization in this field. Examples from student and graduate experiences with musical education in kindergarten, youth clubs and other social institutions make clear the objective of the qualification. The importance of aesthetic experiences and aesthetic education in social work contexts constitute the theoretical framework for an interdisciplinary combination of music education competencies with an academic qualification in social pedagogy. The evaluation of musical pedagogy in social contexts underlines the necessity of an artistic musical qualification as fundamental for successful implementation of music education in the Kontext of aesthetic and cultural education within social work.

Keywords: Music education & social pedagogy. Aesthetic experience in education.

 

Forschungsprojekte Prof. Dr. Lars Distelhorst


Buchprojekt „Demokratische Vernunft in postfaktischen Zeiten“

Mehr erfahren

Das Forschungsprojekt „Demokratische Vernunft in postfaktischen Zeiten“ versteht sich als Grundlagenforschung und wird in die Veröffentlichung eines Buches münden. Selbiges soll als Ausgangspunkt weiterer Überlegungen zur Entwicklungstendenz der Gesellschaft im Allgemeinen als der Stellung Sozialer Arbeit im Besonderen dienen. Zwei Fragen sind dabei grundlegend:

1. Die moderne Gesellschaft ist überwiegend (Kant, Marx, Weber, Hirschmann, Polanyi, usw.) als auf Rationalität und Vernunft basierende Ordnung verstanden worden, deren Konflikte sich lösen ließen, indem diesen Prinzipien zu weiterer Durchsetzung verholfen wird. Kann diese Interpretation vor dem Hintergrund der Diskussion, die zur Zeit unter dem Begriff „Postfaktizität“ geführt wird, aufrechterhalten werden?

2. Falls dies nicht oder nur eingeschränkt der Fall sein sollte (was die These des Forschungsprojektes ist): Welche Konsequenzen hat das in den Hintergrund treten von Rationalität und Vernunft für die Gesellschaft und die in ihr lebenden Menschen?

Auf Grundlage der Antworten auf diese beiden Fragen wird anschließend den Optionen für demokratisches Handeln nachgegangen. Die Stellung von Vernunft und Rationalität in einer Gesellschaft hat unmittelbare Auswirkungen auf die Stabilität der Demokratie und demokratischer Verfahren. Je weniger Autorität rationale Argumentation in demokratischen Aushandlungsprozessen besitzt, desto mehr werden diese durch Macht und Durchsetzung von Emotionsnormen dominiert. Gleichzeitig wird ein vernünftiger Appell an die demokratische Vernunft immer schwerer, da diese zusehends von unartikulierten Interessen, Gefühlen und Geschmäckern verdrängt wird.
In der Soziologie sind in den letzten zehn Jahren Begriffe wie Kreativität und Ästhetik in den Vordergrund gerückt und zu Leitbegriffen der modernen Gesellschaft erklärt worden (Reckwitz). Angesichts der zunehmenden Verbreitung der unter dem Begriff „Postfaktizität“ zusammengefassten Phänomene sollen diese Begriff auf ihr Potential untersucht werden, demokratisches Handeln und Denken zu stärken und demokratischer Vernunft zur Durchsetzung zu verhelfen.

Forschungsprojekte Prof. Dr. phil. Karsten Kiewitt | Prof. Dr. Marion Klein


„Sozialraumanalyse in der Gemeinde Paulinenaue mit dem Ortsteil Selbelang“ (Landkreis Havelland, Amt Friesack)

Mehr erfahren

Abstract

Im Auftrag des Gemeinschaftswerkes Wohnen und Pflege in Nauen wurde vom 21.11.2016 bis zum 31.05.2017 in der Gemeinde Paulinenaue nebst ihrem Ortsteil Selbelang sowie den Gemeindeteilen eine Sozialraumanalyse durchgeführt. Prof. Dr. Klein und Prof. Dr. Kiewitt (Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam – FHCHP) leiteten das Projekt mit Unterstützung von Almut Voigt (Absolventin der FHCHP und wissenschaftliche Hilfskraft) und Sofie Schön (Studierende der FHCHP und Angestellte des Gemeinschaftswerkes). Unterstützt wurde das Projektteam durch eine weitere Absolventin der FHCHP, Julia Kastl, sowie durch Teilnehmer_innen eines Studienseminars an der FHCHP. Das Projekt wurde durch das Kuratorium Deutsche Altershilfe gefördert.

Ziel des Projektes war die Gewinnung von Erkenntnissen über die lokalen Rahmen-bedingungen im Erleben der über 65-jährigen Bewohner_innen. Es wurde der Frage nach-gegangen, was einen Sozialraum im ländlichen Kontext ausmacht und wie er von der fokussierten Zielgruppe erlebt und erfahren wird. Erkenntnisleitend war hierbei die Frage, welche Voraussetzungen in einem Quartier gegeben sein müssen, damit ältere und alte Menschen so lange und so gut wie möglich im vertrauten Umfeld leben können. Der Fokus der Analyse lag auf der subjektiven Sicht der Senior_innen und ihren subjektiven Bedarfseinschätzungen. Die Daten wurden via Interviews erhoben, für die ein Interview-leitfaden entwickelt wurde mit Fragen zu Teilhabechancen und -barrieren von Senior_innen. Insgesamt konnten achtzehn Senior_innen und sieben Angehörige von Senior_innen dafür gewonnen werden. Darüber hinaus wurden vierzehn relevante Akteur_innen sowie Mitarbeiter_innen sozialer und gewerblicher Einrichtungen und Initiativen nach ihren Angeboten und Leistungen für Senior_innen im Quartier befragt. Im Anschluss an die Ist-Analyse und die Identifikation der Versorgungslücken wurden Handlungsempfehlungen formuliert.

Zu ausgewählten Ergebnissen: Es wurde deutlich, dass die Gemeinde Paulinenaue mit dem Ortsteil Selbelang und den Gemeindeteilen im Erleben der Bewohner_innen nicht als ein Sozialraum wahrgenommen wird. Selbelang wurde im Zuge der Gemeindegebietsreform 2003 gegen den Widerstand von Bewohner_innen eingemeindet. Bis heute findet wenig Kontakt unter den Bewohner_innen beider Ortsteile statt, auch die bestehenden Vereine arbeiten kaum zusammen.

In diversen Bereichen der Lebenswelt konnten Desiderata wie auch Ressourcen identifiziert werden. Im Bereich Wohnen und Versorgung wurde in jedem Interview das Fehlen eines Einkaufsladens angesprochen, den es bis vor einem Jahr noch gab. Die Einkäufe müssen in den umliegenden Städten erledigt werden, was eine entsprechende Mobilität bedingt. Die Bedeutung eines solchen Geschäfts ist weitreichend: Personen, die aktuell ihre Einkäufe durch andere Personen erledigen lassen müssen, könnten etwa selbst das Geschäft besuchen und sich einen Überblick über das Angebot verschaffen. Ein kleiner Einkaufsladen, der älteren oder gar dementen Menschen eine Orientierung ermöglicht, unterstützt die Eigenständigkeit und selbstbestimmtes Handeln. Zudem bietet er Raum für soziale Kontakte, für Begegnung und Austausch. Dies könnte eine Perspektive auf ein alters- bzw. demenzfreundliches Dorf eröffnen. In Selbelang wurde der Wunsch nach einer örtlichen Einkaufsmöglichkeit nicht geäußert. Ein Grund könnte sein, dass es hier ein solches Geschäft nie gab.

Auch die ärztliche Versorgung ist unzureichend und nur mit großem Aufwand für die Senior_innen realisierbar. In diesem Zusammenhang wurde wiederholt Bezug auf das Gemeindeschwesternsystem in der ehemaligen DDR genommen und der Wunsch nach einer Gemeindeschwester formuliert. Darüber hinaus wurden Versorgungslücken hinsichtlich der Unterstützung in Haus und Garten identifiziert. Die Interviews verweisen auf die Bedeutung der Natur und des Gartens. Beide tragen offensichtlich sehr zu Erholung und Entspannung bei. Aber auch die Möglichkeit, Gemüse zur Selbstversorgung anzubauen sowie das Gefühl, gebraucht zu werden und Beschäftigung zu haben, wurden als Funktionen der Gartennutzung thematisiert, die aufgrund persönlicher Einschränkungen oft kaum noch umsetzbar ist.

Im Hinblick auf Barrierefreiheit wurden personen- wie auch ortsbezogene Barrieren  thematisiert. Die gute Verkehrsanbindung mit Bahn und Bus wurde zwar überwiegend positiv hervorgehoben, jedoch zeigte sich, dass für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel eine gewisse gesundheitliche Verfassung der Senior_innen gegeben sein muss. So wurden unter anderem ein sinkender Orientierungssinn sowie Vergesslichkeit als Risiko für die Nutzung von Bus und Bahn genannt. Auch die Wege zum Bahnhof oder den Bushaltestellen oder der Einstieg in öffentliche Verkehrsmittel seien von einigen Interviewten aufgrund von Mobilitäts-einschränkungen nicht zu bewältigen. Zudem wurde die Beschaffenheit von Straßen und Wegen in Paulinenaue kritisiert.

Im Bereich Kultur und Freizeit wurde im Zusammenhang mit dem Bedürfnis nach Gemeinschaft und sozialen Kontakten der Wunsch nach einem informellen Treffpunkt (z. B. Café) deutlich. Kulturelle Veranstaltungen werden kaum angeboten. Der Besuch solcher Angebote außerhalb von Paulinenaue ist nur für mobile Senior_innen möglich, die anderen Senior_innen mitunter eine Mitfahrt anbieten. Hier wurde der Wunsch nach einem Kleinbus als Beförderungsmöglichkeit geäußert. Wiederholt wurde auf die Notwendigkeit des eigenen Engagements bis ins hohe Alter hingewiesen, ohne welches es kaum Angebote gäbe. Die Beteiligung an Gemeindeaktivitäten betrifft nicht nur die in den Vereinen Engagierten, auch die Nutzer_innen der Angebote werden in deren Gestaltung einbezogen, so dass es sich fast nie um reine Konsument_innen, sondern immer auch um Produzent_innen von Angeboten handelt.

Im Hinblick auf die Bereiche Beteiligung und Mitsprache sowie Inklusive Werte wird deutlich, dass viele Interviewte auch im hohen Alter ihren Teil zum Gemeinwesen beitragen und darüber Anerkennung erfahren. Dennoch zeigte sich, dass Kontakte sich vor allem auf die eigene Gruppe beschränken, während es z. B. zwischen „Selbelangern und Paulinenauern“ sowie historisch gewachsenen Gruppen wenig Kontakt gibt. Das in den Interviews kaum von Einsamkeit die Rede ist, scheint vor allem auf den engen Kontakt fast aller Interviewpartner_innen zu Familienangehörigen zurückzuführen zu sein.

Bereits in den Interviews und Befragungen wurden von den Senior_innen und ihren Angehörigen sowie den Akteur_innen Vorschläge und Ideen für Veränderungen und Weiterentwicklungen formuliert. Diese sollen mit den Erkenntnissen der Sozialraumanalyse als Ausgangspunkt für die Erstellung eines  Quartiersentwicklungskonzeptes dienen, welches exemplarisch für die Entwicklung anderer Gemeinden im ländlichen Raum stehen kann.
Studie als pdf